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Die gewaltigen Muskelberge sind für Robert Förstemann Fluch und Segen zugleich: im Alltag manchmal ein Problem, auf dem Rad die Siegbringer. Reporterin Dajana Rubert nimmt Maß.

Köln – 650 Kilogramm Gewichte hat Robert Förstemann aufgelegt. So viel stemmt der Bahnrad-Sprinter mit seinen Beinen. Nicht einmal. Bis zu fünf Wiederholungen schafft der Berliner. Und das sieht man: 72 handvermessene Zentimeter Umfang hat jedes Bein. Mr. Oberschenkel verrät, warum die Keulen im Alltag manchmal eine Last sind und wie es zu diesen dicken Dingern überhaupt kam. „Die Muskeln sind sozusagen Folgen einer Mutation“, erklärt der 26-Jährige seine Hingucker.

„Es gibt ein Enzym, das das Muskelwachstum hemmt. Bei mir funktioniert das nicht richtig.“ Robert leidet also an einem Gendefekt. Wobei leidet nur bedingt richtig ist. „Eigentlich finde ich sie ganz schön. Sie sind extrem. Ich bin extrem. Das passt gut zusammen.“ Einen Vorteil haben die Mucki-Berge im Alltag auch: Er kann richtig anpacken, die schwersten Sachen tragen. Ich kann sogar Spagat Die Beweglichkeit bleibt auch nicht auf der Strecke, obwohl die Vermutung naheliegt. „Ich kann sogar Spagat“, sagt der deutsche Rekordhalter und macht den gleich mal vor. Jeden Abend dehnt er sich ausgiebig vor dem Fernseher. Auch sonst gönnt Robert seinen Schenkeln einiges an Pflege: Kältebecken bei fünf Grad fördern die Durchblutung. Unterwassermassagen gibt es regelmäßig. Unter Wasser deshalb, weil die Therapeuten so leichter durch die Muskeln kommen. Die Akupunktur bei OSP-Spezialist Christian Bartels nimmt den Druck aus den Beinen. Denn die sind sein Kapital. Sie lassen ihn die 200 Meter auf der Bahn in 9,652 Sekunden zurücklegen.

Robert ist so etwas wie der Usain Bolt der Radsprinter: Auf den ersten 100 m kriegt er mit seinem explosiven Antritt Geschwindigkeiten von bis zu 73,2 km/h drauf. Aber ein Problem gibt es dann doch: Hosenkauf! „Ganz ehrlich: Ich hasse es! Hosen kaufe ich immer ein paar Nummern zu groß. Dann näht sie meine Stamm-Schneiderin am Bund und in der Länge passend“, erzählt Förstemann. Und: „Das, was ich im Schrank liegen habe, wird so lange getragen, bis es auseinanderfällt. Danach zimmert es die Schneiderin wieder zusammen.“ Die maßgeschneiderte Hose für seinen Hochzeitsanzug gab Robert übrigens nach einem Urlaub in Auftrag. Mit dem Hinweis, beim Abmessen der Oberschenkel einfach vier Zentimeter draufzupacken. Die reichten zwei Monate und zahlreiche Trainingseinheiten später gerade noch so. Jetzt, so kurz vor den Olympischen Spielen, ist die Hose aber viel zu klein. Zum Glück geht es in London darum ganz und gar nicht…